Die Vorliebe für Kinderpornografie kann, muss jedoch nicht auf pädophile Präferenzen hinweisen

Das Herunterladen und Betrachten von Kinder-Pornografie ist strafbar. Die Konsumenten sind häufig – jedoch keineswegs immer – pädophil und werden oft – keineswegs immer – auf Kinder übergriffig. Angebot und Konsum kinderpornografischer Darstellungen nehmen weltweit zu. Die Fachzeitschrift Forensische Psychiatrie und Psychotherapie (1-2025) legt aktuelle Studien zur online-Kinder-Sexualdelinquenz vor. „Bevölkerungsbasierte Studien zeigen, dass zwei bis vier Prozent der Männer angeben, mindestens einmal kinderpornografisches Material konsumiert zu haben. Der Anteil von konsumierenden Personen mit pädophilen Präferenzen wird dabei auf rund 60% geschätzt…“
Demografisch gesehen sind die Konsumenten von online-Kinderpornografie im Vergleich zu Männern, die Kinder sexuell missbraucht haben, „häufiger alleinstehend, häufiger weiß und im Durchschnitt gebildeter. Sie sind seltener vorbestraft – sowohl in Bezug auf Straftaten im Allgemeinen als auch auf Sexualstraftaten im Besonderen. Sie haben im Allgemeinen ein geringeres Selbstwertgefühl und sind emotional zurückgezogener. Sie weisen weniger antisoziale Probleme auf, sind im Durchschnitt weniger impulsiv, haben weniger problematische Gedanken im Zusammenhang mit der Begehung von Straftaten, sind weniger feindselig und weisen eine geringere emotionale Identifikation mit Kindern auf. Im Vergleich zu Männern, die auf Kinder übergriffig geworden waren, haben sie jedoch im Durchschnitt mehr sexuelle Probleme, sie haben mehr sexuell abweichende Interessen, sind häufiger sexuell fixiert und nutzen häufiger Sex als Bewältigungsstrategie. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass das Anschauen von Kinderpornografie ein deutlicherer Hinweis auf Pädophilie ist als „ein sexueller Kindesmissbrauch“, berichten Marc Verheij und Kollegen in ihrer Studie.

Forensische Psychiatrie und Psychotherapie 2026-1
K. Hoffmann, R. Eher, M. G. Feil, M. Günter, D. Hesse, L. P. Hiersemenzel, M., U. Kröger, J. Muysers, T. Ross, K. Sevecke (Hrsg.)
Pabst

Pädophilie
– eine sexuelle Abnormität im forensischen Zwangskontext: Interviews mit Betroffenen und Professionist:innen
Gassl, Alexandra
Pabst, 142 seiten

Therapie mit Pädophilen?
Pädophile beurteilen ihre Therapie
Stiels-Glenn, Michael
Pabst, 252 Seiten

Pädophilie
Leipziger Studie zur gesellschaftlichen und psychischen Situation pädophiler Männer
Vogt, Horst
Pabst, 152 Seiten